Stellungnahme des Schülerrats zur Schulfusionierung „Sportsekundarschule“ mit Sekundarschule „Am Fliederweg“
Argumente, die gegen eine Fusion der Sportsekundarschule mit der Sekundarschule „Am Fliederweg“ sprechen :
Die geplante Fusion der Sportsekundarschule mit der Fliederweg-Schule hat für uns Sportschüler weit reichende und schwerwiegende Folgen.
Wir würden aus unserem gewohnten Umfeld mit den Sportgymnasiasten gerissen werden und müssten unseren Alltag unter unbekannten und schwierigeren Bedingungen meistern.
So wird es uns sicher sehr schwer fallen, uns noch für den planmäßigen Nachmittagsunterricht bis 16.30 Uhr zu motivieren, wenn die Nichtsportler der Fliederweg- Schule viel früher Unterrichtsschluss haben und nach Hause gehen können.
Unser langer Unterrichtstag ergibt sich durch bis zu viermaliges Training in der Woche während der Unterrichtszeit.
Es kommt so für uns Sportler zu erschwerten Lernbedingungen, die unsere Lernleistungen mindern und die sich in Zukunft negativ auf unsere Abschlüsse auswirken werden.
Doch nicht nur die Schulleistungen werden unter der geplanten Fusion leiden, sondern auch die sportlichen Leistungen, da ein deutlicher zeitlicher Mehraufwand entsteht.
Manche von uns müssen schon jetzt sehr lange und unbequeme Fahrzeiten in Kauf nehmen, um in den Genuss einer Verbindung von Schule und Sport in Form einer Sportschule zu kommen (siehe Anlage 2).
Durch die geplante Fusion werden sich die Fahrzeiten zwischen Sport- und Schulstätte verlängern. Für Internatsschüler, vor allem die des Kröllwitzer Wohnheims, wird dies eine extreme Erschwernis bedeuten, da sie mehrmals am Tag zwischen ihrem Internat bzw. ihren Trainingstätten (Kröllwitz – Haltestelle Schwuchtstraße ) und der Fliederweg- Schule (Budapester Straße. – Haltestelle Paul-Suhr Straße ) pendeln müssten.
Besonders problematisch ist dabei, dass für diese Schüler der Tag um 5.30 Uhr beginnen müsste und das Training frühestens um 19.30 Uhr beendet wäre.
Wir müssen auch noch Abendbrot essen, Hausaufgaben erledigen und uns auf den Unterricht vorbereiten.
Viele von uns Sportschülern sind von früh bis spät unterwegs. Vom Morgen an bis zum späten Nachmittag lernen wir in der Schule für einen guten Abschluss und anschließend trainieren wir hart, um unsere sportlichen Ziele verwirklichen zu können.
Dabei ist eine angemessene Essensversorgung notwendig. An den jetzigen Standorten der Sportschule ist diese gewährleistet, da es je einen Essensaal mit angegliederter Küche gibt. An dem neuen Standort ist die Essenversorgung fraglich. Das könnte bedeuten, dass die Schüler in den Essenspausen zum Sportgymnasium im Amselweg laufen oder fahren müssten um dort zu essen. Dies würde eine ganze Stunde in Anspruch nehmen.
Ein weiteres Problem, ist die Lagerung der Sportgeräte und Sporttaschen der Schüler. Da wir auch während der Schulzeit trainieren, bleibt uns nichts weiter übrig, diese mit in die Schule zu bringen. In dem jetzigen Schulstandort gibt es viele Möglichkeiten die Geräte und Taschen zu lagern und in Schließfächern zu sichern. In der Fliederweg-Schule sind diese Möglichkeiten nicht gegeben. Das birgt ein immenses Diebstahls- und Beschädigungspotential der mitunter sehr wertvollen Sportgeräte.
Außerdem befürchten wir, dass es zu Konflikten zwischen Nichtsportschülern und Sportschülern kommen wird, da wir sehr unterschiedliche Lebensauffassungen haben. Dies bestätigte Herr Rothe (Kinder- und Jugendhaus e.V.) in einem Beitrag auf der Gesamtkonferenz unserer Schule am 08.10.07. Er wies auf besondere Probleme der Fliederwegschule, z.B. Drogen, Schulschwänzerei und Kriminalität hin.
Weiterhin wissen wir, dass es an der Fliederweg-Schule eine geduldete Raucherecke gibt und somit könnten wir uns vorstellen, dass sich manche Sportler leichter zum Rauchen verleiten lassen.
Durch die Fusion würde man außerdem eine 50-jährige Sporttradition in Halle zerstören.
Wir Sekundarschüler könnten nicht mehr gemeinsam mit den Gymnasialschülern an einem Standort lernen.
Wir Sportsekundarschüler hoffen, dass es diese Fusion nicht geben wird und alle Sportschüler (Sportgymnasiasten und Sportsekundarschüler) nach der Rekonstruktion des Sportgymnasiums und dem Bau der neuen Sporthallen an der Robert-Koch-Straße in einem Gebäude unter gleichen Bedingungen lernen und trainieren können.
Halle, den 17.10.2007
Vorsitzender des Schülerrates
Stellungnahme der Elternvertretung der Sportsekundarschule zur Fortschreibung der Mittelfristigen Schulentwicklungsplanung für das Schuljahr 2008/2009
Sehr geehrter Herr Zschocke,
zu Ihrem Schreiben vom 19.09.2007, Eingang 28.09.2007, zur Fusionierung Sportsekundarschule mit der Sekundarschule Fliederweg möchten wir als Elternvertreter der Sportsekundarschule wie folgt Stellung nehmen.
Einer Fusionierung der Sportsekundarschule mit der Sekundarschule Fliederweg können wir nicht zustimmen, da sich für unsere Kinder die Lern- und Trainingsbedingungen extrem verschlechtern.
Der Unterrichtsablauf an unserer Sportsekundarschule durch das Zusatztraining während des Vormittags, ist aufgrund des Schwerpunktes „SPORT“ nicht vergleichbar mit einem Unterrichtstag einer „normalen“ Sekundarschule.
Eine Sportschule führt naturgemäß nur sportbetonte Klassen, deren Tagesablauf hauptsächlich durch Schule und Training bestimmt ist.
Die Anfangs- und Endzeiten der Sportschulen weichen auf Grund der bestehenden sportlichen Verpflichtungen von denen einer „normalen“ Sekundarschule ab.
Unterrichtsbeginn ist 07.00 Uhr in der Sporthalle oder auf dem Sportplatz bzw. im Unterrichtsraum.
Für uns Eltern stellt sich auch die Frage, wie dies organisatorisch und auch lehrmethodisch mit einem nicht sportlichen Schulzweig möglich sein soll.
Absprachen innerhalb des Lehrerkollegiums sind hierbei kaum oder nahezu unmöglich, was gerade bei auftretenden Problemen des täglichen Umgangs in der Schule nicht wünschenswert ist.
Der Schultag unserer Kinder beginnt bereits zwischen 5.00 Uhr und 5.30 Uhr und dauert oftmals 12 Stunden inklusive der 9 Unterrichts- und Trainingsstunden sowie des Nachmittagstrainings. Die Zeit zur Erledigung der Hausaufgaben ist hierbei noch nicht enthalten.
Den Schülern der heutigen Zeit wird fehlende Zielstrebigkeit bescheinigt, wie dies eindeutig aus Medienberichten zu lesen ist.
Das gerade die Jugendlichen Vorbilder haben und sich durch starke, aber auch schwache Mitschüler mitziehen lassen, lässt darauf schließen, dass durch eine Fusion unterschiedlicher Schultypen mit verschiedenartigen Schulabläufen (Fliederweg und Sportsekundarschule) die eigentlich zielgerichteten Interessen beider Schulen in einer Weise aufeinander stoßen, die letztendlich beiden Teilen nicht gerecht werden können.
Durch eine im Rahmen der Fusion bedingte Kollision zweier Schultypen besteht mehr als nur die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft und einer möglicherweise fehlenden Akzeptanz der beiden Schultypen untereinander.
Eine mögliche fatale Folge hiervon wäre, dass der Ruf der Schule sich nach außen verschlechtert, weil die Gegensätze der unterschiedlichen Schulgruppen gar nicht in einheitlicher Art und Weise innerhalb eines Gebäudekomplexes händelbar sind.
Vorurteile bei direkten Kontakt beider Schularten der Schülerschaft gegeneinander lassen sich nicht vermeiden und werden vermutlich dauerhaft für ein schlechtes Klima sorgen, welches sich nachteilig für alle Beteiligten schulisch und sportlich auswirken dürfte.
Die Sportschüler zeichnen sich durch hohe Einsatzbereitschaft und dem Willen aus, ihre gesteckten sportlichen Ziele zu erreichen.
Dabei weisen wir darauf hin, dass unsere Kinder allesamt konkrete Ziele haben, durch sportliche Erfolge (Meisterschaften, Bundesliga etc.) die Stadt Halle bundesweit bekannter zu machen und den schulischen Erfolg sicherzustellen. Diese doppelte Bürde nehmen für diese Ziele (!) alle Beteiligten, Schüler und Eltern, unter hohem finanziellen und hohem zeitlichen Aufwand auf sich.
Wir als Eltern und Vertreter haben große Bedenken, wenn in diese bisher sportlich zielgerichtete Schullandschaft Schüler hinzukommen, die (leider aus der aktuellen Erfahrung heraus) nicht willens und auch nicht in der Lage sind, ihre eigenen Ziele zu definieren, geschweige denn, diese zielstrebig zu erreichen.
Am Rande sei erwähnt, das hier erfahrungsgemäß bereits kleine Gruppen ausreichen, um diese Auswirkungen im Klassenverbund hervorzurufen. Solche Dinge werden auf unsere Sportschüler zwangsläufig abfärben, statistisch gesehen ist dies eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich.
Es wird für Lehrer, Trainer und auch für uns Eltern schwierig werden, von unseren Leistungssportlern Höchstleistungen zu erwarten bzw. zu fordern, wenn die Motivation auf ein Minimalmaß absinkt.
In den Gesprächen mit Trainern unserer Vereine wurde ebenfalls sehr deutlich, dass sie die gleichen Bedenken mit einer Zusammenlegung unterschiedlicher Schulen haben, wie wir als Eltern.
Der sportliche Ehrgeiz, das Pflichtbewusstsein zur Erfüllung der Trainingseinheit sowie der Missbrauch von Zigaretten, Alkopops aber auch Drogen wurden hierbei sehr oft genannt.
Ein weiterer wichtiger Punkt gegen die Fusionierung mit der Fliederwegschule ist die Essenversorgung der Sportschüler und auch der Kröllwitzer Internatsschüler. Leistungssportler und Sportler sollten sich stets ausgewogen und gesund ernähren, über den Tag verteilt kleinere Mahlzeiten einnehmen. Die Bedürfnisse unserer Kinder, z.B. 2. Frühstück, Mittag und das Vesper wären schwieriger realisierbar.
Wenn sich Kinder und auch Eltern für eine Sportschule entscheiden, ist ihnen klar, dass der Tagesablauf eines Sportschülers aus Training und Schule besteht. Längere Wegezeiten zwischen Schulgebäude und der Trainingsstätte, wie es jetzt bei Umsetzung der Zusammenlegung der Sportsekundarschule mit der Sekundarschule Fliederweg der Fall wäre, sind dann an der Tagesordnung.
Diese Wegezeiten stehen im krassen Widerspruch zu der sportlichen und auch persönlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, da somit die Zeiten von Entspannung und Erholung wesentlich gekürzt werden.
Bei der jetzt geplanten Konstellation ist dies ein Aspekt für Eltern, sich entweder für eine andere Schulform zu entscheiden oder die zukünftigen Athleten in einer anderen Sportschule (z.B. Jena, Neubrandenburg) unterzubringen.
Negativ schlägt sich dies auf jeden Fall für die Stadt Halle nieder.
Verschiedene Mitarbeiter des Landessportbundes, Vertreter unserer Vereine, deren Mitglieder, Trainer und auch wir Eltern unternehmen seit längerer Zeit große Anstrengungen, unsere Sportschulen in Halle auch über die Grenzen des Landes Sachsen-Anhalt hinaus bekannt zu machen.
Das uns das gelingt, ist nicht von der Hand zu weisen, da bereits Schüler und Schülerinnen aus anderen Bundesländern unsere Sportschulen besuchen.
Vor Beginn der Sanierung des Schulstandortes Robert-Koch-Straße wurden Sportgymnasialschüler und Sportsekundarschüler gemeinsam in Schulgebäuden unterrichtet. Warum sollte dies nicht auch nach den Modernisierungsarbeiten in der Robert-Koch-Straße möglich sein.
Aus den vorgenannten Gründen möchten wir, wie auch bereits in unseren zahlreichen Gesprächen erläutert, als Alternative für die Stadt Halle das Sportgymnasium mit angegliederter Sportsekundarschule vorschlagen.
Bei dieser Alternative könnten Sportsekundarschüler und Sportgymnasiasten weiterhin zu gleichen Zeiten, bei gleichen Bedingungen und in den gleichen Trainingsgruppen trainieren. Ein Schulformwechsel vom Sekundarbereich in den gymniasalen Bereich und umgekehrt ist schul- und auch sportorganisatorisch leichter durchführbar und ein weiterer Punkt ist, dass sich unsere Kinder gegenseitig aufgrund der gleichen Belastung des Schulalltages motivieren können.
Weiterhin wäre das Problem der besonderen Essensversorgung hinsichtlich der Qualität gelöst. Ein wesentlicher Punkt wäre aber, dass sich alle Schüler, alle Sekundar- und alle Gymnasialschüler, als Schüler der Eliteschule „Sportschule“ fühlen können. Nur so ist es möglich, dass auch weiterhin die Sekundarsportler und die Gymnasialsportler der Stadt Halle gemeinsam, auch im Namen der Stadt Halle, sportliche Erfolge erringen.
Die Sportsekundarschule und das Sportgymnasium feierten unter dem Namen „Sportschulen Halle“ zusammen mit der Stadt Halle, zahlreichen Politikern, dem Landes- und Stadtsportbund sowie vielen ehemaligen Schülern der Sportschulen und jetzigen Olympiasiegern ihr 50jähriges Bestehen.
Anlässlich der Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen unserer halleschen Sportschulen wurde Halle als Sportstadt genannt und unsere ehemalige Oberbürgermeisterin Frau Häussler oder Herr Professor Dr. Olbertz und andere politische Größen des Landes Sachsen-Anhalt sonnten sich im Glanz der erfolgreichen Athleten, seien es die Ruderer, die Turner, die Leichtathleten oder die Schwimmer. Ihre Aussagen zu einer gezielten Sportförderung und Bereitstellung von optimalen Lern- und Trainingsstätten für alle Schüler der Sportschulen Halle stehen der zukünftigen Realität jedoch im krassen Widerspruch.
Wir sind gern bereit, Ihnen unsere Gedanken und Alternativmöglichkeit in einem weiteren persönlichen Gespräch, auch mit den betroffenen Schülern zu erläutern
und verbleiben in Erwartung
mit freundlichen Grüßen